Wie Mikroplastik unsere Gesundheit beeinflusst

Bei DYCLE stützen wir unsere Arbeit stets auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. In diesem Artikel wollen wir auf das Thema Plastikmüll und seine Auswirkungen schauen:

Wenn wir an Plastikverschmutzung denken, haben wir meist Bilder von Ozeanen voller Flaschen, Tüten und anderem Müll im Kopf. Doch in Wahrheit gibt es ein stilles, weniger sichtbares, aber genauso großes Problem: Plastik im Boden. Die winzigen Plastikpartikel, mit bloßem Auge nicht zu erkennen, gelangen nach und nach vom Boden in unsere Nahrung, unser Wasser und unsere Luft – und schließlich in unseren Körper.

Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden Plastikfragmente bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind.
Ihre Herkunft kann unterschiedlich sein – von zersetzten Plastikflaschen bis hin zu Düngemitteln. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie bauen sich nur sehr schwer ab. Stattdessen sammeln sie sich Jahr für Jahr an. Inzwischen ist der Boden zum größten Reservoir von Mikroplastik auf der Erde geworden – mitunter in höherer Konzentration als in den Ozeanen. Dennoch erhält diese Form der Verschmutzung kaum Aufmerksamkeit.

Vom Boden in den Körper: Wie gelangt Mikroplastik zu uns?

Mikroplastik gelangt auf drei Hauptwegen in unseren Körper: durch Nahrung, Luft und Wasser. Pflanzen nehmen Mikroplastik über ihre Wurzeln auf. Wenn wir Lebensmittel essen, die auf kontaminierten Böden gewachsen sind, nehmen wir das Mikroplastik mit auf. Mikroplastik kann auch ins Grundwasser gelangen oder in Trinkwassersysteme gespült werden, ohne vollständig herausgefiltert zu werden. Ebenso kann es über Staub aus belasteten Böden – etwa bei landwirtschaftlicher Arbeit – in unsere Lunge gelangen.

Mikroplastik ist im menschlichen Körper nachweisbar

Bis vor wenigen Jahren wurden die Auswirkungen von Mikroplastik auf den Menschen vor allem im Labor untersucht. Doch ein klinischer Bericht im New England Journal of Medicine (Marfella et al., 2024) lässt aufhorchen.

Forscher untersuchten Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und fanden Mikroplastik (Polyethylen, "PE" und Polyvinylchlorid, "PVC") direkt in den Arterien der Menschen. Dabei handelt es sich um die gleichen Kunststoffe, die häufig in der Landwirtschaft und bei Verpackungen vorkommen. Die betroffenen Patient:innen hatten dadurch ein 4,5-fach höheres Risiko, in den folgenden drei Jahren einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder gar den Tod zu erleiden.

Was passiert, wenn Mikroplastik in den Körper gelangt?

Mikroplastik wurde bereits in zahlreichen menschlichen Geweben nachgewiesen – darunter Lunge, Leber, Milz, Nieren, Plazenta, Blut und Muttermilch. Einmal im Körper, kann es auf verschiedene Weise Schaden anrichten: Organe können durch Entzündungen und Stress beeinträchtigt werden, der Hormonhaushalt kann gestört werden, chemische Toxine können tief ins Gewebe transportiert werden und im schlimmsten Fall sogar das Erbgut verändern.

Die ständige Belastung durch Mikroplastik kann außerdem das Immunsystem dauerhaft aktivieren – was das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöht. Einige Studien zeigen zudem, dass Mikroplastik als Träger für andere Schadstoffe wie Bakterien fungieren kann.

Warum Mikroplastik im Boden besonders bedenklich ist

Im Gegensatz zu Mikroplastik in Luft oder Wasser verbleibt Mikroplastik im Boden dort über Jahrzehnte. Es wird kaum abgebaut und stellt daher ein langfristiges Gesundheitsrisiko dar. In der Landwirtschaft ist die Nutzung von Plastik weit verbreitet, was das Problem noch verschärft: Jedes Jahr gelangt mehr Plastik in den Boden, aber nur sehr wenig davon verschwindet wieder.

Trotzdem ist Mikroplastik im Boden bislang kaum reguliert. Klärschlamm, plastikhaltiger Kompost und Mulchfolien aus Kunststoff werden fast uneingeschränkt eingesetzt. Diese fehlende Kontrolle führt dazu, dass Mikroplastik unbemerkt in unsere Umwelt und unsere Körper gelangt.

Was können wir tun?

Erst in den letzten Jahren beginnen wir zu verstehen, wie groß das Problem von Mikroplastik wirklich ist – besonders im Boden. Doch das Problem ist bereits jetzt dringlich genug, um sofortige Maßnahmen zu fordern.

Zuerst müssen wir den Einsatz von Plastik in Böden und Kompostsystemen regulieren, um weitere Anreicherung zu vermeiden. Dazu gehört der Verzicht auf Plastikfolien in der Landwirtschaft und die Förderung biologisch abbaubarer Alternativen, die sich rückstandslos zersetzen. Auch Mikroplastik in Düngemitteln und Klärschlamm muss streng kontrolliert und durch bessere Qualitätsstandards reduziert werden.

Außerdem braucht es mehr öffentliche Aufklärung darüber, wie Mikroplastik aus dem Boden in unsere Nahrungskette und letztlich in unseren Körper gelangt – damit Menschen die Gesundheitsrisiken verstehen und entsprechend handeln können.

Um uns selbst und zukünftige Generationen wirklich zu schützen, müssen wir unseren Blick über das sichtbare Plastik hinaus richten – und uns endlich der unsichtbaren Plastikverschmutzung unter unseren Füßen stellen.

Quellen

[1] Bhuyan, M. S. (2022). Effects of microplastics on fish and in human health. Frontiers in Environmental Science, 10, Article 827289. https://doi.org/10.3389/fenvs.2022.827289

[2] Marfella, R., Prattichizzo, F., Sardu, C., Fulgenzi, G., D’Onofrio, N., Mauro, C., … & Paolisso, G. (2024). Microplastics and nanoplastics in atheromas and cardiovascular events. The New England Journal of Medicine, 390(10), 900–910. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2309822

[3] Sun, A., & Wang, W.-X. (2023). Human exposure to microplastics and its associated health risks. Environment & Health, 1(3), 139–149. https://doi.org/10.1021/envhealth.3c00053