Diese Zeit kommt nie zurück

Ein Vergleich der Elternzeit in Deutschland und Japan

Hallo! Ich bin Mayu Kawase, und dies ist mein erster Blogbeitrag für DYCLE!

Ich studiere Umweltgovernance in Japan und nehme derzeit an einem Austauschprogramm in Deutschland teil. In Japan habe ich auch in einem Hort gearbeitet, was mein starkes Interesse an Kindererziehung und frühkindlicher Bildung geweckt hat. Mit diesem Blog möchte ich Einblicke teilen, die Eltern helfen und inspirieren können.

Warum Elternzeit wichtig ist

Die Kindererziehung ist eine kurze, aber prägende Phase – für Kinder wie für Eltern. Sie ist emotional, lehrreich und oft herausfordernd. Wie eine Gesellschaft Eltern in dieser Zeit unterstützt, sagt viel über ihre Werte aus. Deshalb möchte ich heute zeigen, wie Elternzeit in Deutschland und Japan geregelt ist – zwei Länder mit unterschiedlichen Ansätzen und ähnlichen Herausforderungen.

Ein Foto von dem Vater meiner besten Freundin während seiner Kindererziehungszeit

Überraschende Erkenntnisse

Ich hatte immer das Bild, dass Deutschland ein besonders familienfreundliches Land ist. Umso mehr überraschte mich, dass viele Väter nur die Mindestdauer von zwei Monaten Elternzeit nehmen – gerade so viel, wie es für den „Partnerschaftsbonus“ braucht. Dennoch nahmen 2021 laut Destatis 46,2 % der Väter in Deutschland Elternzeit – ein Wert, den Japan bisher nicht erreicht. Die japanische Regierung fördert ebenfalls Maßnahmen, um besonders Väter zu ermutigen, doch der kulturelle Wandel verläuft langsamer.

Ein persönliches Beispiel aus Japan

Ein Beispiel, das mich besonders berührt hat, ist der Vater meiner besten Freundin. Er nahm bereits vor fast 20 Jahren Elternzeit – was damals äußerst unüblich war. Er erzählte mir, wie er sich voll auf Hausarbeit und Kindererziehung konzentrieren konnte, ohne an die Arbeit denken zu müssen. Trotz anfänglicher Vorurteile wurde er später als jemand anerkannt, der Verantwortung für seine Familie übernimmt. Das erleichterte es ihm auch, später weitere Freistellungen zu beantragen.

Seine Tochter spricht bis heute mit großer Zuneigung über ihn. Ich bin überzeugt, dass seine ehrliche Fürsorge eine bleibende Bindung geschaffen hat..

Stimmen aus Freiburg

Während meines Aufenthalts in Deutschland habe ich viele Eltern in Freiburg interviewt. Eine Mutter, die mit ihrem Kind im Park spazieren ging, erzählte:

„Mein Mann wollte eigentlich auch Elternzeit nehmen, aber finanziell war das für uns nicht machbar. Er arbeitet noch immer hart, um uns zu unterstützen.“
(Elternzeit: Frau – 17 Monate, Mann – 0 Monate)

Ein Vater aus einem anderen Park berichtete:

„Ich arbeite als Grundschullehrer, und mein Arbeitgeber unterstützt Elternschaft sehr. Auch die Arbeitsstelle meiner Frau war sehr kooperativ. So konnten wir beide langfristig Elternzeit nehmen. Sogar heute wechseln wir uns ab – einer ist immer bei den Kindern.“
(Beide Eltern: jeweils 6–10 Monate pro Kind)

Er erzählte auch, dass sie mit den Kindern während der Elternzeit nach Südamerika reisten – eine unvergessliche Erfahrung.

Was Eltern sagten:

• „Ich war so glücklich, Elternzeit nehmen zu können!“

• „Ich konnte jede Entwicklungsphase meines Kindes miterleben.“

• „Ich genieße jeden Moment mit meinen Kindern – auch die schwierigen.“

Ein Satz blieb mir besonders im Gedächtnis:

„Ich kann immer arbeiten. Aber unsere Kinder wachsen so schnell. Wenn ich diese Zeit verpasse, kommt sie nie zurück. Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen.“

Abschließende Gedanken

Am 13. Januar feiert Japan die Seijin-shiki, eine Zeremonie zum Erwachsenwerden. Sie erinnert mich daran, wie schnell die Kindheit vergeht. Was bleibt, sind Erinnerungen – für Eltern und Kinder.

Was ich aus meinen Gesprächen mitgenommen habe: Einkommen und Arbeitsbedingungen entscheiden oft, ob Eltern Elternzeit nehmen können. Ich hoffe, dass künftige Reformen mehr Familien diese wertvolle gemeinsame Zeit ermöglichen.

Wie war es bei dir?

Wie hast du deine Elternzeit erlebt? Ich würde mich freuen, deine Erfahrungen zu hören!

Mayu Kawase